Der Gaspreis steigt: Kunden können Wettbewerb ankurbeln

Erdgas ist in vielen Haushalten einer der wichtigsten Energieträger. Es wird zum Heizen, Kochen oder der Erzeugung warmen Wassers verwendet.

Die Preisexplosion dieses Rohstoffes in den letzten Jahren treibt die Nebenkosten nach oben. Den hohen Rechnungen können Kunden mit einem sparsamen Umgang der Ressource und dem Wechsel zu einem günstigeren Gasanbieter entgehen.

Spartipp:

Vor allem in langen, kalten Wintern oder bei einer großen Familie kann sich der Wechsel auszahlen.

Im Schnitt verbraucht ein Reihenhaus rund 20.000 kWh Gas im Jahr. Bei einem frei stehenden Einfamilienhaus können es sogar 30.000 kWh sein. Bereits 2012 kostete der Jahresverbrauch in einem Reihenhaus rund 1300 Euro.

Da Gas immer teurer wird, kann beispielsweise ein Anbieterwechsel in einem Vierpersonenhaushalt bis zu 500 Euro Unterschied im Jahr ausmachen.

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Die Zusammensetzung des Gaspreises

Der Gaspreis setzt sich aus fünf Faktoren zusammen.

Dazu zählen:

  • die Netzentgelte
  • die Kosten für den Vertrieb
  • die Steuern
  • die Konzessionsabgaben sowie der eigentliche Preis für die Gasbeschaffung

Etwa 18 Prozent des Gaspreises entfallen auf die Gebühr der Netznutzung, die der Gasanbieter an den Netzbetreiber zahlt. Der Gastransport, die Instandhaltung des Netzes, die Nutzung des Gaszählers und das regelmäßige Zählerstandablesen sind unter diesen Kostenpunkt zusammengefasst.

Gaspreise

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Die Bundesnetzagentur hat die Aufgabe, die Netznutzungsentgelte zu überprüfen. Der Vertrieb macht in der Regel rund zwei Prozent aus. Darunter fallen alle Aufwendungen vonseiten des Gasanbieters, wie beispielsweise die Kundenabrechnung oder die Kosten aus dem Gasverkauf.

Die Konzessionsabgaben schlagen mit etwa 0,6 Prozent zu Buche. Darunter verstehen sich die Abgaben, die ein Anbieter an die Gemeinde zu entrichten hat, um deren Gasleitungen und Flächen zu nutzen.

Steuern und Gasbeschaffung bestimmen Gaspreis maßgeblich

Den größten Anteil am aktuellen Gaspreis haben die Steuern, die rund 24 Prozent des Preises ausmachen und die Gasbeschaffung, die gut 55 Prozent ausmacht.

Die Steuern setzen sich zum einen aus der Mehrwertsteuer, auf die fast 16 Prozent des Gaspreises abfällt, und zum anderen aus der Mineralölsteuer, die rund acht Prozent beträgt, zusammen.

Die Gasbeschaffung besteht in erste Linie aus dem Einkaufspreis sowie einer gewissen Handelsspanne. Die Gaspreise sind an den Ölpreis gekoppelt. Das ist zwar nicht durch das Gesetz vorgeschrieben, jedoch gibt es dazu Vereinbarungen unter den Konzernen.

Kopplung von Gas- und Ölpreis

Seit den 1960er Jahren besteht eine Verbindung zwischen Gas- und Ölpreis. Wenn Öl teurer wird, steigt kurze Zeit später auch der Preis für Erdgas. Viele Experten kritisieren diese Kopplung.

Das Kartellamt hat gegen die brancheninterne Regelung jedoch keine direkte Handhabe. 2005 erwirkte das Amt ein Gesetz, das langfristige Gaslieferverträge untersagt. Solche mehrjährigen Verträge orientierten sich bis dahin an der Ölpreisentwicklung, die als Richtwert für die Gaspreisentwicklung betrachtet wurden.

Auf Basis dieses Gesetzes eröffnete das Bundeskartellamt in den drei Folgejahren Verfahren gegen insgesamt 15 Ferngasunternehmen, die mit dieser Art von Verträgen arbeiteten. Jüngere Verträge nutzen diese Klausel nicht mehr. Das Kartellamt hat in der Folge einen leichten Rückgang der Öl- und Gaspreis-Kopplung festgestellt.

Noch ist nicht sicher, ob diese Entwicklung auf lange Sicht eine Senkung der Gaspreise zur Folge haben wird.

Gaspreis steigt auf freiem Markt

Verbraucherinitiativen haben in den letzten Jahren beobachtet, dass der Gaspreis auch auf dem freien Markt steigt, ohne dass er an den Ölpreis gekoppelt ist. Experten vermuten, dass ohne die Kopplung in Zukunft auch kurzfristige Einflüsse den Gaspreis nach oben schnellen lassen könnten.

Gaspreiserhöhung

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Die Erdgasindustrie ist der Ansicht, dass eine Kopplung vor spontanen Preiserhöhungen aus reiner Willkür schützen kann. Kritiker werfen den Gasanbietern hingegen vor, bei einer Preiserhöhung ohne Rechtfertigung auf die – nicht mehr bestehende – Ölpreisbindung zu verweisen.

Gas ist in weitaus größeren Mengen vorhanden als Öl und müsste deshalb auch günstiger zu beziehen sein.

Da der Rohstoff aber aus Klimagründen ein hohes Maß an Attraktivität besitzt, rechnen Wirtschaftsforscher mit einem steigenden Verbrauch in der Industrie, bei Fahrzeugen und in den Heizanlagen von Privathaushalten. Außerdem halten sie den zu geringen Wettbewerb auf dem Gasmarkt für den Grund weiterer Preisanstiege.

Gasmarkt-Liberalisierung seit 1998

Die Energierechtsnovelle von 1998 hat nicht nur den Strom-, sondern gleichzeitig auch den Gasmarkt liberalisiert. Während auf dem Strommarkt ein großer Wettbewerb herrscht, ist diese Entwicklung auf dem Gasmarkt nicht eingetreten.

Dort sind weniger Anbieterwechsel zu verzeichnen und der Markt besteht fast ausschließlich aus wenigen Großanbietern. Aus diesem Grund werden die Preise weiter steigen, schätzen Energieexperten.

Ein Problem der Liberalisierung des Gasmarktes ist, dass die Regulierungsbehörde derzeit noch viele Anträge auf eine Netznutzung überprüft. Die Genehmigungsverfahren für neue Energieanbieter sind in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen.

Ein regelmäßiger Wechsel des Gasanbieters kann vonseiten des Verbrauchers jedoch den Wettbewerb ankurbeln.

Wenn die Verbraucher häufiger zu einem günstigeren Anbieter wechseln, fühlen sich andere Unternehmen genötigt, ihre Preise ebenfalls neu zu kalkulieren. Höhere Wechselzahlen könnten dafür sorgen, dass der Gaspreis in Richtung einer Abwärtsspirale tendiert.

Ökotipp:

Was im Hinblick auf den Umweltschutz im Strom durch Öko-Anbieter bereits möglich ist, gibt es nun auch für den Bereich Gas: So wird das umweltfreundliche Bio-Erdgas von einigen Anbietern bereits als Alternative angeboten.