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Erdgasförderung in Deutschland und der Welt

Erdgas leistet einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland und der ganzen Welt. Laut Zahlen der AG Energiebilanzen e.V. (AGEB) ist Gas nach Mineralöl der zweitwichtigste Primärenergieträger im deutschen Energiemix (Stand: 2018). Global gesehen steht Erdgas nach Erdöl und Kohle an dritter Stelle der Energieversorgung.

Die Nachfrage nach dem fossilen Brennstoff steigt kontinuierlich. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die weltweite Erdgasfördermenge 2017 um 4,8 Prozent auf insgesamt etwa 3.782 Milliarden Kubikmeter – das ergab die Energiestudie 2018 der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die größten Förderzuwächse verzeichneten Afrika, Austral-Asien und die GUS. Die Gasförderung in der Europäischen Union blieb nahezu unverändert.

Erdgas

Verglichen mit anderen fossilen Energieträgern gilt Erdgas als klimafreundlicher, da die Verbrennung mit geringeren CO²-Emssionen einhergeht. Erdgas spielt deshalb eine Schlüsselrolle für die Energiewende: falls erneuerbare Energien für eine flächendeckende Energieversorgung nicht ausreichen, können Gaskraftwerke aushelfen.

Bestandteile von Erdgas

Erdgas ist ein natürliches, brennbares Gasgemisch, dessen chemische Zusammensetzung je nach Fundort variiert. Es besteht aber hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan. Weitere Bestandteile wie Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid oder Wasser werden vor dem Transport in speziellen Aufbereitungsanlagen entfernt, da sie giftig sind und/oder Rohre und Produktionsanlagen beschädigen können.

Erdgas – Entstehung und Vorkommen

Erdgas kommt in unterirdischen Lagerstätten vor – oft mehrere tausend Meter unter der Erdoberfläche. Aufgrund der ähnlichen Entstehungsgeschichte tritt Erdgas häufig an selber Stelle wie Erdöl auf, wobei sich das leichte Gas über dem schwereren Erdöl befindet.

Gas Pumpe

Erdgas entstand über Millionen von Jahren, als der Großteil der Erde mit Wasser bedeckt war. Die darin lebenden Organismen wie Algen und Plankton sanken nach ihrem Absterben zu Boden und lagerten sich auf dem Meeresboden ab. Aufgrund des dort herrschenden Sauerstoffmangels blieb die Verwesung des organischen Materials aus – es bildete sich Faulschlamm. Dieser wurde anschließend von Erd- und Gesteinsschichten überdeckt und zunehmend in die Tiefe gepresst. Die dort herrschenden hohen Drücke und Temperaturen bewirkten eine Umwandlung des Faulschlamms in sogenanntes Muttergestein.

Dieses Muttergestein wurde von weiteren Bodenschichten überlagert. Die enthaltenen organischen Bestandteile wandelten sich bei Hitze und hohem Druck sehr langsam in gasförmige Kohlenwasserstoffe um – vor allem in Methan. Durch den Druck der oberen Gesteinsschichten wurde das entstandene Gas aus dem Muttergestein herausgepresst. Es wanderte durch poröse Schichten nach oben, bis es schließlich auf undurchdringliche Bodenschichten stieß. Hier sammelt sich das Erdgas in Lagerstätten, aus denen es heute gewonnen wird.

Hierbei handelt es sich um konventionelle Lagerstätten. Es gibt aber auch unkonventionelle Erdgasvorkommen, bei denen sich das Erdgas noch im Muttergestein befindet. Je nach Art der Erdgasquelle wird das Gas unterschiedlich gefördert.


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Konventionelle und unkonventionelle Erdgasförderung

Erdgas hat einen langen Weg hinter sich, wenn es bei Verbraucherinnen und Verbrauchern der ganzen Welt ankommt. Vor der Erdgasförderung erfolgt zuallererst die Suche nach Erdgasfeldern mittels geophysikalischen und seismischen Messungen. Wurde eine wirtschaftliche Lagerstätte entdeckt, wird das Gas entweder konventionell oder unkonventionell gewonnen.

Konventionelle und unkonventionelle Erdgasförderung

Beim Öffnen einer konventionellen Lagerstätte entweicht das Gas weitgehend selbstständig aus den Gesteinsporen, da es in großer Tiefe unter hohem Druck steht. Bei unkonventionellen Gasvorkommen muss das Gestein in der Lagerstätte unter hohem Druck aufgebrochen werden, damit das Gas ausströmen kann.

Bei beiden Methoden wird das rohe Gas zur Aufbereitung über ein sogenanntes Steigrohr an die Oberfläche befördert. Dort werden giftige, korrosive und nicht brennbare Begleitkomponenten entfernt, bevor das Gas in das überregionale Transportnetz eingespeist wird. Das aufbereitete Erdgas gelangt schließlich entweder leitungsgebunden über Pipelines oder in verflüssigter Form mit LNG-Tankern zu den Verbrauchsstellen.

Fracking – umstrittenes Verfahren zur Erdgasgewinnung

Das sogenannte Fracking ist ein Verfahren, mit dem sich Erdgas aus undurchlässigem Gestein lösen lässt. Dabei wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in das Gestein gepresst. Das Gestein sprengt dadurch auf und das Gas kann entweichen.

Diese Methode ist allerdings sehr umstritten. Einige der eingesetzten Chemikalien stehen in der Kritik, weil sie die Umwelt und das Grundwasser verunreinigen würden. Forschungen legen außerdem nahe, dass Fracking Erdbeben auslösen kann.

Gasförderung in Deutschland

Erdgas wird in Deutschland vor allem zur Wärmegewinnung genutzt. In der Bundesrepublik gibt es allerdings keine ausreichend großen Erdgasvorkommen, um damit den Bedarf für das gesamte Land zu decken. Laut "Monitoringbericht 2019" von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt wird über 90 Prozent des Erdgases aus dem Ausland importiert. Die wichtigsten Erdgasimporteure für die BRD sind Russland mit 71,6 Prozent, Norwegen mit 14,5 Prozent und die Niederlande mit 12,6 Prozent (Stand: 2018).

Im Jahr 2018 wurden etwa 6,8 Milliarden Kubikmeter unverarbeitetes Rohgas in Deutschland gefördert, so die Daten des Jahresberichts 2018 zu "Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland" vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Die BRD förderte damit 13,3 Prozent weniger Erdgas als noch ein Jahr zuvor. Die Fördermenge an Erdgas nimmt in Deutschland jedoch bereits seit über einem Jahrzehnt rapide ab. Als mögliche Ursachen nennt das LBEG die zunehmende Erschöpfung vorhandener Lagerstätten sowie das Ausbleiben bedeutender Neuentdeckungen.

Jahr Rohgasfördermenge in Milliarden Kubikmetern
1998 21,8
2002 21,4
2006 19,7
2010 13,8
2012 11,7
2014 10,1
2016 8,6
2018 6,8
Quelle: Jahresberichte (1998–2018) zu "Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland" des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Laut Zahlen des Jahresberichts 2018 des LBEG sind die Erdgasreserven der BRD ebenfalls zurückgegangen: "Am 1. Januar 2019 betrug die Summe der geschätzten sicheren und wahrscheinlichen Erdgasreserven Deutschlands 54,4 Milliarden Kubikmeter [...] Rohgas. Damit verringerten sich die Reserven gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Milliarden Kubikmeter [...] oder 13,8 Prozent."

Deutsche Bundesländer fördern je unterschiedliche Mengen Erdgas

Laut Informationen des LBEGs stammen rund 6,4 Milliarden Kubikmeter Gas aus dem Bundesland Niedersachsen – das entspricht 93,6 Prozent des im Jahr 2018 deutschlandweit geförderten Erdgases. Insbesondere die niedersächsischen Gebiete Weser-Ems und Elbe Weser tragen zur deutschen Erdgasproduktion bei. Zwar fördern auch andere deutsche Bundesländer Erdgas, aber bei Weitem nicht solche Mengen wie Niedersachsen.

Anteil der Bundesländer an der deutschlandweiten Erdgasproduktion in Prozent (Stand 2018)
Niedersachsen 93,6
Sachsen-Anhalt 5,5
Schleswig-Holstein 0,5
Thüringen 0,3
Bayern 0,1
Quelle: Jahresbericht 2018 zu "Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland" des LBEG.

Globale Erdgasförderung

Laut Energiestudie 2018 der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurden 2017 rund 3.782 Milliarden Kubikmeter Erdgas auf der Welt gefördert. Damit ist Gas – hinter Erdöl und Kohle – drittgrößter Energieträger auf der Welt. Ein Großteil des weltweit geförderten Erdgases stammt aus den USA und Russland.

Die zehn größten Erdgasförderländer (Stand 2017)
Staat Fördermenge in Milliarden Kubikmeter Anteil an der Weltförderung in Prozent
1. USA 761,1 20,1
2. Russland 691,6 18,3
3. Iran 238,0 6,3
4. Kanada 176,3 4,7
5. Katar 163,6 4,3
6. China 154,0 4,1
7. Norwegen 124,2 3,3
8. Australien 113,9 3,0
9. Saudi-Arabien 111,4 2,9
10. Algerien 94,8 2,5
Quelle: BGR Energiestudie 2018.

Laut der "BGR Energiestudie 2018" der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betragen die globalen Erdgasreserven rund 200 Billionen Kubikmeter. Demgegenüber steht eine weltweite Gasförderung von insgesamt etwa 3,8 Billionen Kubikmeter. Bei gleichbleibendem Verbrauch wäre die Erdgasversorgung also noch über 50 Jahre gesichert. Zwar ist der weltweite Erdgasverbrauch 2017 gegenüber dem Vorjahr um circa drei Prozent gestiegen, allerdings haben Neufunde den größeren Verbrauch kompensiert.


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Biogas und Bioerdgas – nachhaltige, flexible Alternative für die Zukunft?

Vor dem Hintergrund der Energiewende sowie der Endlichkeit von Erdgas gewinnt das aus regenerativen Quellen erzeugte Biogas (oder Bioerdgas) zunehmend an Bedeutung für die Energieversorgung Deutschlands und der ganzen Welt.

Biogas entsteht aus pflanzlichen Stoffen und landwirtschaftlichen Restprodukten, die in speziellen Biogasanlagen unter Ausschluss von Sauerstoff und Licht abgebaut werden. Die organische Biomasse wird dabei vor allem in Methan, Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Damit können direkt vor Ort in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugt werden.

Wird der Methangehalt des Biogases angehoben und so auf Erdgasqualität aufbereitet, entsteht Bioerdgas, auch Biomethan oder Ökogas genannt. Dieses Bioerdgas weist die gleichen verbrennungstechnischen Eigenschaften wie fossiles Erdgas auf – es kann deshalb in das bestehende Gasnetz eingespeist und nachfolgend auch wie Erdgas genutzt werden. So bieten heutzutage fast alle Anbieter Beimischungen von Biomethan oder gar reine Ökogas-Tarife an.

Vor- und Nachteile von Bioerdgas

Ökogas gilt weithin als Energiequelle der Zukunft – es ist erneuerbar, über lange Zeiträume speicherbar, klimafreundlich, vielseitig einsetzbar und unabhängig von natürlichen witterungsbedingten Schwankungen. Allerdings stehen Biogasanlagen vielfach in der Kritik: laut Umweltbundesamt verursachen sie nicht nur unangenehme Gerüche und Lärm, sondern stellen für Umwelt und Nachbarschaft auch ein großes Risiko dar. Denn die entzündbaren Gase können bei Unfällen verheerende Brände und Explosionen auslösen und Freisetzungen von Gülle und Gärresten das Wasser verunreinigen. Kritikerinnen und Kritiker beklagen auch, dass der gezielte Anbau von Energiepflanzen die Bildung von Monokulturen und folglich die Verringerung der Artenvielfalt fördert.

Aussicht: Bioerdgas in Deutschland

Noch ist die Biogasproduktion kein Ersatz für Erdgas, allerdings erzeugt Deutschland wesentlich mehr Bio- beziehungsweise Ökogas als viele andere Länder Europas.

2018 betrug die deutschlandweite Einspeisung von Biomethan schätzungsweise 935 Millionen Kubikmeter Bioerdgas. Laut Bundesverband für Energie und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) hat die BRD ihr Potential aber längst nicht ausgeschöpft – "bis 2030 könnten bis zu 10,3 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr [...] in das deutsche Gasnetz eingespeist werden".

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